Atelierbesuch bei Ulrike Arnold: Zwischen Himmel und Erde

„Wenn mich jemand fragt: du kannst es doch einfach haben, du kannst doch im Atelier malen, kannst Kaffee trinken, Kuchen essen und dann wieder ein Bildchen malen. Kommt überhaupt nicht in Frage. Ich bin der Mensch, ich muss das hautnah erfahren. Dazu zählt dann auch, dass man die Hitze spürt und das Erleben weitergibt – das in das Bild hineingibt.“

Anfassen erlaubt. Die Relief-Struktur ist ein besonderes Merkmal für die Kunst Ulrike Arnolds.

Ulrike Arnold bringt in ihren Werken Himmel und Erde zusammen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie reist seit 37 Jahren um die ganze Welt und schafft abstrakte Werke mit Meteoritenstaub sowie Erde und Gestein an dem Ort, an dem sie diese findet – sei es Island oder Yucatan. Alles, was sie benötigt, besorgt sie vor Ort: die Leinwand, Zutaten für ihr spezielles Bindemittel und auch sonst alles, das zur Entstehung ihrer Werke notwendig ist. Fast immer arbeitet sie in situ – auch unter extremen Wetterbedingungen, etwa in der Wüste. Inspiriert ist sie hierbei von der Höhlenmalerei, dem Anfang jeglicher Kunst.

Wir haben Ulrike Arnold in ihrem Atelier in der Düsseldorfer Innenstadt besucht und einige Fragen zu ihrer faszinierenden Kunst gestellt.

Das Atelier von Ulrike Arnold in Düsseldorf mit Werken und einer Installation, bestehend aus vielen Säckchen Erde und Gestein aus aller Welt

 

Frau Arnold, wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben?

„Die Kunst ist sehr natur- und erdverbunden, weil ich ja wirklich vor Ort arbeite. Ich suche einen magischen Ort, an dem ich arbeite und dann nur das Material sammle. Es ist also etwas sehr Archaisches, ich bin immer draußen in der Natur. Jeder Moment der Kreation ist wichtig, weil es abstrakt ist und immer wieder neue Einflüsse entstehen – etwa das Wetter. Der Moment zählt und das finde ich faszinierend. Ich will nichts abbilden, sondern ich will versuchen, den Moment, wie er da ist, zu erfassen. Sagen wir mal, einen Ort in der Wüste in Utah, der einen magischen Eindruck auf mich macht, da gehe ich hin. Dann grabe ich Erde und Gestein ab, zerstoße das, mische es mit Bindemittel und damit male ich vor Ort auf Leinwänden. Und das ist für mich der Ausdruck oder die Essenz des Ortes, so wie er sich für mich darstellt, durch meine Augen gesehen, aber mit dem authentischen Material nur von dort, nicht mit irgendwelchen künstlichen Farben gemischt. Wenn dann der große Regen kommt, lasse ich den Regen über die Bilder laufen. Das gibt Strukturen des Zufalls, die ich einbaue. Ich liebe den Zufall und das kommt im Moment, je nachdem, was für ein Wetter ist.

 

Alles ist abstrakt, wobei der Betrachter manchmal irgendwelche Dinge zu sehen scheint, wie ein Gesicht, einen Geist oder eine Körperform. Das bleibt dem Betrachter überlassen, das ist nicht beabsichtigt. Für mich sind das abstrakte Landschaftsporträts oder man kann auch sagen, Momente festgehalten. Wie eine Tagebuchnotiz.

 

Die Werke sehen ein bisschen aus wie ein Blick aus zehntausend Metern Höhe, aus dem Flugzeug, oder aus der Vogelperspektive. Genauso vorstellbar ist jedoch ein Blick durch das Mikroskop. Die Werke haben dadurch das Element Mikrokosmos – Makrokosmos.“

Yokzonot, Yucatan, Mexico; Fotografie von Victor van Keuren

Wenn Ihre Werke den Kontext der Natur verlassen und vor einer weißen Wand hängen, finden Sie das merkwürdig?

„Nein, überhaupt nicht. Ich bringe ein Stück Wüste mit und dann hängt das eben in einer ganz modernen Umgebung. Das ist wie ein Blick aus dem Fenster in die Natur, bloß wenn man hier in Düsseldorf aus dem Fenster guckt, ist es natürlich eine andere Natur. Ich habe für ein großes Hotel in der Wüste in Utah einen Auftrag bekommen, das heißt Amangiri. Das ist ein Wüstenresort und dafür habe ich riesige Bilder kreiert, fünf Meter lang. Die Bilder sehen so aus, als würde man durch ein Fenster in die Natur gucken.

Die Bilder sind meistens nicht gerahmt. Es ist wie eine Erdhaut, die vor einer Wand fließt, gerade in modernen Räumen finde ich das hervorragend. Ich bringe ein Stück Wüstenerinnerung mit.“

Ein Stück vom Himmel: Oftmals kommt der Meteoritenstaub in Arnolds Werken zum Einsatz

 

Da Ihre Bilder nicht gerahmt sind, haben Sie Angst, dass sie nicht gut geschützt sein könnten?

„Nein. Ein Konservator im Museum fragt direkt: Wie hält das Bild denn? Das Bindemittel habe ich testen lassen, das hält optimal. Die Erde hat schon Millionen Jahre gehalten, das weiß ja jeder. Auch wenn da die Sonne darauf scheint, ist das kein Problem, das wird nicht fade oder lichtschwach. Die Farbe bleibt so. Auch wenn ich das in den Regen halte, passieret nichts.

Glas würde ich nicht vor die Bilder tun, wobei manche Leute natürlich alles schützen wollen. Es muss allerdings keinen Rahmen haben, selbst Staub kann man einfach mit einem feuchten Tuch abwischen. Das Wichtige ist, dass das für mich eine Haut ist. Also wenn es sich jemand rahmen lassen will, dann kann er das ja in eine Box frei hängen, dass das da drin schwebt, um diesen Haut-Charakter zu erhalten.“

 

Der Schutz Ihrer Werke im ideellen Sinne ist Ihnen jedoch wichtig – Sie sind Mandantin der Rechtanwaltskanzlei vom Berg und Partner. Was sind Ihre Beweggründe?

„Mich interessiert zum Beispiel, wenn man jetzt stirbt, was passiert mit der Kunst – macht man eine Stiftung daraus? Wie funktioniert das, wie kann man die Kunst schützen und wie geht es weiter? Wie ist das mit dem Wert der Kunst? Und man will ja nicht vergessen werden, wenn man auf einmal nicht mehr da ist. Die Bilder sind etwas, das man geschaffen hat, wie Musik von Mozart. Daran haben viele Freude und das kann weiterhin existieren. In dieser Hinsicht wäre es schön, dass die Bilder in Ausstellungen oder Sammlungen zu sehen sind. Wie ist das mit dem Wert für die Erben, oder wenn man eine Kunstversicherung braucht? Das Bild ist ja noch nicht verkauft. Es hängt hier. Was ist, wenn plötzlich ein Brand ausbricht und diese ganzen Geschichten.

Diese Thematik interessiert einen vor allem dann, wenn man keine Kinder hat.

Da muss sich ja jemand drum kümmern, der Ahnung hat. Das muss eine Mischung sein aus Recht und Kunst.

 

Das ist alles doch ganz schön wichtig und ich finde es auch fantastisch, dass Frau vom Berg sagt, ich habe hier ein Spezialthema und aus dem Grund stellen wir jetzt ab und zu Künstler vor, das finde ich prima.“

Ulrike Arnold vor ihrer Arbeit „Five Continents“ im Museum Kunstpalast; privates Foto

Zur Zeit ist ein Werk von Ulrike Arnold im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu bewundern und auch zu erwerben. „DIE GROSSE Kunstausstellung NRW Düsseldorf 2017“ zeigt Arnolds „Five Continents“, noch bis zum 12. März.

„Es sind alle fünf Kontinente vertreten. Dieses Bild ist außerhalb der Reihe im Atelier entstanden. Ich habe auf Keilrahmen gezogenen Leinwände genommen und pro Bild einen Kontinent und eine Farbe ausgesucht. Das strahlende Blau, Azurit, ist aus Utah. Der Meteoritenstaub ist allen Bildern gemein. Für Asien habe ich ein Grün aus Armenien ausgesucht und für Afrika habe ich aus Assuan das Gelb, also Ägypten, und für Australien habe ich dieses geheimnisvolle Rot. Ich war dort bei den Aborigines und habe es aus einer Höhle abgegraben. Im Zentrum dieses Bildes, das in Form eines Kreuzes im Museum hängt, habe ich ein Grau aus Island gewählt, das ist repräsentativ für Europa.

Das ist im Zentrum des Kreuzes, im Mittelpunkt des Geschehens.

 

Kunstrechtfakt: Artnapping

Da berühmte Kunstwerke nur sehr schwer verkäuflich sind, haben sich Kunstdiebe etwas einfallen lassen: Sie versuchen, den Eigentümer beziehungsweise dessen Versicherung auf die Zahlung eines Lösegeldes zu erpressen, indem sie drohen, das Kunstwerk andernfalls zu zerstören. Sie bieten dann einen Rückkauf an. Als Pendant zum „Kidnapping“ spricht man in diesem Zusammenhang vom „Artnapping“.

Der Wert der Kunst

Der Kunstmarkt ist auch ein Markt, so viel steht fest. Doch wie lässt sich Kunst in Zahlen fassen?

Kunst als Anlage ist ein doppelter Gewinn. Der Wert steigt, wenn alles gut läuft, und zugleich ist man in Besitz eines ästhetisch und womöglich auch inhaltlich ansprechenden Objektes. Jedoch gibt es eine Kehrseite der Medaille, nämlich dass Kunst nicht rein sachlich in ihrem Wert bestimmt werden kann. Es erfordert fundierte Kenntnisse des Kunstmarktes, um ein Gespür für angemessene Preise und das ‚Potenzial‘ eines Werkes zu entwickeln.

Zwischen dem Reiz und dem Risiko gibt es, ähnlich wie im Aktienhandel, Indices, die das Einschätzen der aktuellen Marktlage erleichtern.

Der „Mei Moses Fine Art Index“ dürfte hierbei der bekannteste seiner Art sein. Ende vergangenen Oktobers wurden die acht dazu zählenden Indices aus verschiedenen Kategorien von Sotheby’s übernommen und in „Sotheby’s Mei Moses“ umbenannt. Sotheby’s reagiert damit auf ein steigendes Interesse bei Kunstkäufern für eine Marktanalyse. Nach Angaben des Auktionshauses listet die Datenbank ganze 45.000 Wiederverkäufe. Diese bilden die Basis für den Index: der Vergleich von Originalverkaufspreis und dem Wert bei einem späteren Wiederverkauf dient zum Ermitteln der jährlichen Rendite.

Ein weiterer Anhaltspunkt für eine preisliche Einordnung wäre die kostenpflichtige Datenbank von artnet, in der über 10 Millionen Auktionsergebnisse dokumentiert sind. Auf Anfrage fertigen Experten anhand dieser Datenbank zudem einen maßgeschneiderten, analytischen Report.

Auch die Plattform artprice bietet Auktionsergebnisse und Statistiken. Ein anschauliches Resümee bis zum ersten Halbjahr 2016 finden Sie hier.

All diese Indikatoren bieten entweder einen groben Überblick oder ermöglichen gezielte Recherchen. Für Werke von unbekannteren Künstlern gestaltet sich eine Einschätzung etwas diffiziler. Lohnen kann es sich jedoch allemal, in zeitgenössische Kunst zu investieren. Laut der Unternehmensberatung Deloitte ist der Preis seit der Jahrtausendwende im Schnitt jährlich um fast zwölf Prozent gestiegen.

Vorsicht ist bei den Indices allerdings insofern geboten, als dass sie natürlich nicht vollständig sind – lediglich die Ergebnisse von Auktionen fließen in die Berechnungen ein. Verkäufe in Galerien oder Privatverkäufe hingegen werden nicht registriert. Außerdem ist ein steigender Index kein Garant für jedes Kunstwerk, im Wert zu steigen – das hat die Kunst mit dem Aktienhandel gemein. Zu guter Letzt muss man auch beachten, dass nicht jedes Werk eines Künstlers gleichermaßen wertvoll ist.

Wer sich allerdings mit der Kunstszene vertraut macht und Gefallen an der Kunst hat, wird mit einer Anlage, an der er sich zudem optisch erfreuen kann, vermutlich mehr Freude haben, als mit einem abstrakten Wertpapier.

 

Lesen Sie mehr dazu:

http://www.sothebys.com/en/news-video/blogs/all-blogs/sotheby-s-at-large/2016/10/sothebys-acquires-mei-moses-indices.html

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/kapitalanlage-jedermann-kann-sein-geld-in-kunst-anlegen-12635485.html

 

 

Jenseits von Gut und Böse: Frieder Burda über den Kunstmarkt und seine Sammlung

Am Ende einer langen Karriere, die 1968 begann, reflektiert der Kunstsammler Frieder Burda über seine Nachfolge und die kritische Lage auf dem Kunstmarkt.

Ein Name, eine Institution: Frieder Burda, Kunstsammler und Ehrenbürger von Baden-Baden, spielt in der obersten Liga der Kunstszene. Sein nach ihm benanntes Museum, das gänzlich ohne öffentliche Finanzierung auskommt, wird im kommenden Mai einen neuen Direktor begrüßen, Henning Schaper.

„Mit meinen 80 Jahren wollte ich das Haus vorbereiten für die nächste Generation und dafür sorgen, dass es weitergeht“, so Burda. Diese nächste Generation gibt in Sachen Kunst allerdings zu denken, stellt der berühmte Sammler fest.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußerte er besorgt, dass die Preise auf dem Kunstmarkt inzwischen jenseits von Gut und Böse seien. Ein „kleines Beben“ genüge laut dem Kunstexperten und die ganzen derzeitigen Spekulationen könnten sich als Blase entpuppen. Ein böses Erwachen sei also nur eine Frage der Zeit.

Die Freude am Kunstkaufen lässt er sich dennoch nicht nehmen – das sei schließlich seine „Lieblingsbeschäftigung“, wie er der Badischen Zeitung verriet. Die Leitung der Sammlung hat er vor gut einem Jahr an seine Stieftochter, die Kunsthistorikerin Patricia Kamp, übergeben. Das letzte Wort in Sachen Ankauf hat nichtsdestotrotz Burda höchstpersönlich. Die Stieftochter bringt nicht nur das Fachwissen mit, um die Sammlung in den kommenden Jahren professionell zu leiten, sondern auch frische Ideen und Ansätze.

Komplette Einigkeit herrscht daher nicht immer bei der Kaufentscheidung, doch in einem Dialog lassen sich Kompromisse finden, wie Kamp dem monopol Magazin erzählte. Sie setze sich für weniger emotionale Kunstobjekte ein, beispielsweise Werke der Konzeptkunst. Somit wird der Sammlung in jeder Hinsicht ein neues Kapitel hinzugefügt.

Mehr zu diesem Thema:
http://www.monopol-magazin.de/fuer-frieder-burda-sind-kunstpreise-jenseits-von-gut-und-boese
http://www.monopol-magazin.de/es-muss-auch-reibung-geben
http://www.badische-zeitung.de/ausstellungen/frieder-burda-tritt-kuerzer–131768528.html

Guy Wildenstein: Kultivierter Betrug?

Ganze 550 Millionen Dollar hätte der berühmte Kunsthändler Guy Wildenstein an Erbschaftssteuer nachzahlen müssen. Eigentlich. Bei der Gerichtsverhandlung in Paris stellte der Richter zwar den klaren Versuch Wildensteins fest, Vermögenswerte zu verschleiern, verurteilen konnte er ihn allerdings nicht – Grund hierfür waren Fehler bei der Untersuchung. Dem Gericht blieb somit keine Wahl, außer den Angeklagten freizusprechen.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den Fall als „längsten und kultiviertesten“ Steuerbetrug des heutigen Frankreichs.

 

Mehr zum Prozess und den Hintergründen finden Sie im aktuellen Report des guardian.

 

 

Der Teufel steckt im Detail – Rechtsstreit um einen Buchstaben, der den millionenschweren Unterschied macht

Wie beweist man, dass man ein Gemälde nicht gemalt hat? Mit dieser Frage sieht sich der renommierte Künstler Peter Doig in einem Rechtsstreit konfrontiert.

Wer hegt ihn nicht, den Traum vom verborgenen Schatz? Ein angestaubtes Gemälde auf dem Dachboden, eine Vase, die lange keine Beachtung mehr fand – der wahre Wert ist häufig schwer einzuschätzen. Die Hoffnung auf den glücklichen Zufall, unbewusst in Besitz eines bedeutsamen Wertgegenstandes zu sein, ist groß.

So auch bei dem ehemaligen kanadischen Gefängnisangestellten Robert Fletcher, der während seiner Tätigkeit einem Insassen für 100 Dollar ein Gemälde abkaufte, um diesen finanziell zu unterstützen und vom kriminellen Milieu fernzuhalten. Die Signatur, mit der das Werk versehen ist, „Peter Doige ‘76“, sollte vierzig Jahre später zu einem viel beachteten Missverständnis führen.

Ein Freund Fletchers wies diesen darauf hin, dass der international anerkannte, schottische Künstler Peter Doig, seine Werke für viele Millionen Euro verkaufe. Um eine Summe zu betiteln: ganze 25,9 Millionen Dollar erzielte sein Werk „Swamped“ aus dem Jahr 1990 bei einer Auktion, sein persönlicher Rekord.
An diesen Hinweis anknüpfend setzte Fletcher alles daran, das von ihm erworbene Gemälde als ‚echten‘ Doig teuer zu verkaufen. Die Urheberschaft konnte zu Beginn nicht eindeutig geklärt werden, bekannte Auktionshäuser weigerten sich daher, das Werk zu versteigern. Fletcher sah sich um ein Vermögen gebracht und klagte ganze fünf Millionen Schadensersatz von Peter Doig ein.

Besagter Künstler sah sich daraufhin in der Pflicht, vor dem Gericht in Chicago zu beweisen, dass er nicht Urheber der in Acryl manifestierten Wüstenlandschaft auf Leinwand ist, sondern lediglich ein Namensverwandter.

Im vergangenen Sommer berichteten die einschlägigen Medien von diesem außergewöhnlichen Fall. Hierunter die New York Times, das Kunstmagazin art, die Zeit, monopol, spiegel online und viele weitere.

Der fragliche Zeitraum lag zwar bereits um einiges zurück, dennoch konnte Doig nachvollziehen, wo er sich damals aufhielt: Nicht im Gefängnis in Thunder Bay, Ontario, da war er sich sicher, sondern im rund 500 Kilometer entfernten Toronto. Dort bestritt er seinen Alltag als 16-jähriger Teenager, der die Schulbank drückte und sich noch nicht an das Medium Leinwand herangewagt hatte. Vielmehr waren Zeichnungen mit Bleistift und Tinte auf Papier bis zum Ende der 70er Jahre seine Profession.

Die Argumentation überzeugte. Der Richter war sich sicher, dass Peter Doig das Gemälde nicht gemalt hatte und die Nicht-Urheberschaft war somit erwiesen.

Das Werk wurde daraufhin dem 2012 verstorbenen Peter Edward Doige zugeschrieben, der tatsächlich zu der fraglichen Zeit im Gefängnis einsaß.

Rechtsexperten ist im Kontext eines derart bekannten Künstlers kein vergleichbarer Fall bekannt, wie die New York Times schreibt. Picasso leugnete zwar beispielsweise die Urheberschaft des Werkes „La Douleur“, wurde dafür aber nicht rechtlich belangt, wenn das Metropolitan Museum auch das Gegenteil meint beweisen zu können.

Robert Fletcher, der nach wie vor angibt, von der Urheberschaft Doigs überzeugt zu sein, bleibt mit dem Werk und nicht etwa einem größeren Millionenbetrag zurück. Der Schatz bleibt somit ein ideeller und kann den Besitzer ästhetisch, aber nicht finanziell beglücken. Künstlerisch ist das Gemälde dafür nun durch Doig persönlich legitimiert, der das Werk als „schönes Bild“ bezeichnete.

 

Ihre Rechtsanwälte vom Berg und Partner beraten Sie übrigens auch zu Fragen der Provenienz und Herkunft ihrer Kunstwerke, sprechen Sie uns gerne an.

 

 

Lesen Sie mehr zu Doig/Doige unter:

http://www.monopol-magazin.de/sch%C3%B6nes-bild-aber-nicht-von-mir

http://www.art-magazin.de/szene/16663-rtkl-maler-star-peter-doig-verklagt-bizarre-posse-um-peter-doig

http://www.zeit.de/2016/30/peter-doig-gemaelde-faelschung-rechtsstreit

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/peter-doig-urteil-im-prozess-um-sein-angebliches-bild-a-1109195.html

https://www.nytimes.com/2016/07/10/arts/design/peter-doig-painting-lawsuit.html?hp&action=click&pgtype=Homepage&clickSource=story-heading&module=mini-moth&region=top-stories-below&WT.nav=top-stories-below&_r=3

 

Risiken und Chancen auf den Handelsplätzen des Kunstmarktes, Teil 3

Risiken und Chancen auf den Handelsplätzen des Kunstmarktes

Wir freuen uns heute den letzten Teil des Gastbeitrages von Isabel Boden fineart advisory GmbH zu veröffentlichen.

Der Erwerb bei einem Galeristen bzw. Kunsthändler kann in den Galerieräumen oder auf einer Messe stattfinden. Heutzutage machen viele Galerien den größten Umsatz auf den Kunstmessen.

Für den privaten Käufer hat der Erwerb in einer Galerie den großen Vorteil, dass er mehr Zeit für seine Kaufentscheidung hat und dort über feste Preisvorstellungen verhandelt wird. Die Beobachtung der Galerien und ihrer Ausstellungs- und Messetätigkeit wirft im Allgemeinen ein Blick darauf,

– wie vertrauenswürdig der Galerist oder Kunsthändler ist,

­- wie er seine Ausstellungen gestaltet,

– wie präsent er auf dem Kunstmarkt ist.

Dennoch ist neben der qualitativen Einschätzung des Kunstwerks, die entscheidende Frage nach der Angemessenheit des angebotenen Kaufpreises:

– Kann der Käufer den Angebotspreis des  Galeristen am Markt selber abschätzen?

– Weiß der Käufer, ob das Kunstwerk, das am Sekundärmarkt angeboten wird, nicht gerade vom  Galeristen günstig auf einer Auktion gekauft wurde?

– Reicht die Reputation des Galeristen aus, um ihm hinsichtlich seiner Marktempfehlungen zu vertrauen?

Das große Angebot einer Kunstmesse ist anregend, faszinierend und bildend. Der Marktüberblick ermöglicht es, neue Galerien und deren Schwerpunkte  kennenzulernen. Gleichzeitig bewirkt die hohe Nachfrage aber auch, dass man – z.B. auf der Art Basel – ein entdecktes Kunstwerk meistens nur für etwa 1 Stunde reservieren kann. In dieser Zeit muss der Interessent hinsichtlich Qualität und Preisgefüge das Kunstwerk einschätzen. Aufgrund der hohen Besucherzahl einer Kunstmesse, wird mancher Käufer dazu verleitet, schnell zu kaufen, da er befürchtet: „wenn ich es jetzt nicht kaufe, kauft es ein anderer“.

Neben den oben erwähnten Handelsplätzen, gibt es aber auch die Möglichkeit, ausgewählte Kunstwerke im Rahmen eines Private Sales zu erwerben oder zu verkaufen. Die herausragenden Vorteile liegen in der Diskretion der Abwicklung sowie in den fest vereinbarten Preisen:

– Der Sammler erhält als Verkäufer im Gegensatz zu einer Auktion einen fest vereinbarten Preis.

– Der Sammler erwirbt als Käufer ein Kunstwerk, das dem großen Markt verborgen und damit marktfrisch bleibt.

– Der Sammler ist als Käufer aufgrund dieser Exklusivität häufig bereit, einen sehr guten Kaufpreis zu  bezahlen.

– Der Sammler – als Käufer oder Verkäufer – hat keine Belastung des Preises durch die  Mehrwertsteuer, da die Vermittlung differenzbesteuert abgewickelt wird und nur der Vermittler auf die Differenz zwischen An-und Verkaufspreis Mehrwertsteuer bezahlt.

Alle Handelsplätze erfordern jedoch eine Qualitätsprüfung der Kunstwerke. Der Käufer muss sich fragen:

– Wie überprüfe ich den Zustand?

– Kann ich beurteilen, ob er sich ggf. auf den Kaufpreis auswirkt?

– Was sagt die Herkunft des Bildes aus?

– Welche Informationen muss ich haben, um die Echtheitsangaben des Werks zu überprüfen?

– Habe ich alle Angaben zu dem Kunstwerk?

Diese und mehr Fragen sollte der Kunstinteressent beantworten können, oder sich ggf. Rat holen, damit er nicht eines Tages enttäuscht wird, wenn er das Bild, oder die Skulptur wieder verkaufen möchte.

Isabel Boden fineart advisory GmbH

www.fineart-advisory.de 

 

 

Risiken und Chancen auf den Handelsplätzen des Kunstmarkts, Teil 2

Risiken und Chancen auf den Handelsplätzen des Kunstmarkts

Ein Gastbeitrag von:  Isabel Boden fineart advisory GmbH, Teil 2

Kunst zu kaufen ist nicht nur ein emotionaler Prozess. Es gehört – insbesondere bei ausgewählten Kunstwerken – ein umfangreiches Wissen hinsichtlich der Qualitäts- und Bewertungseinschätzung dazu.

In einer Auktion gilt für den Käufer:

– Haben Sie den Blick für gute Qualität und den kühlen Kopf am Auktionstag (take it or leave it)?

– Wie kalkulieren Sie Ihren Kaufpreis?

Insbesondere der zweite Aspekt muss differenziert betrachtet werden. Einerseits durch den unabsehbaren Verlauf der Auktion (sowie das Aufgeld von immerhin 30 % auf den Zuschlag!), andererseits durch die neue Mwst.-Regelung: Die Kaufrechnung ist von der Art des Einlieferers abhängig, da das Auktionshaus diesem gegenüber unterschiedlich abrechnen muss. Daraus folgt, dass auf einen Zuschlag bei Einlieferungen:

– von Privatpersonen: 30% Aufgeld,

– von Händlern: 25 % Aufgeld zzgl. 19% MwSt. auf die Summe (Zuschlag + Aufgeld) und

– von Personen, die aus einem Drittland einliefern (z.B. USA), 30 % Aufgeld zzgl. 7% Mwst. auf den

Zuschlag hinzugerechnet werden muss.

Ein Zuschlag von 100.000,-€ ergibt also einen Kaufpreis von 130.000,-€, 148.750,-€  bzw. 137.000,-€!

 

Der Einlieferer eines Kunstwerks in eine Auktion sollte folgende Überlegungen bedenken:

  1. Ist ein Auktionshaus generell der richtige Ort zum Verkauf – und welches Auktionshaus? (Trotz des Internets gibt es sehr große Marktpotentiale sowohl innerhalb Deutschlands als auch international)

2  Wie kommt sein Werk unter den vielen Anderen zur Geltung?  (1200 Objekte werden an einem Auktionsplatz in 3 Tagen versteigert)

  1. Welcher Schätzpreis ist angemessen? (Abwägung zwischen möglichem Erfolg und zu hohem Ausrufpreis)

Der Einlieferer hat die Vorstellung, dass insbesondere durch das Internet und die mediale Aufmerksamkeit der Auktion, Millionen Kunstinteressenten sein Kunstwerk sehen. Aber man erfährt eben nicht nur von seinem Werk. Wird sein Bild nicht verkauft, da es zu hoch angesetzt wurde, oder am falschen Auktionsplatz war, ist es sozusagen „verbrannt“ und kann dann nur noch deutlich günstiger erneut angeboten werden.

Wir bedanken uns für diesen Gastbeitrag bei Isabel Boden, und freuen uns mit Spannung auf die Fortsetzung in den kommenden Wochen.

Isabel Boden fineart advisory GmbH

www.fineart-advisory.de